Solo in D-Dur

Ein Jeder ist ein Mozart, Bach oder Beethoven,
ein Jeder trägt ein Instrument und spielt sein Lied nach Noten.
Die Melodien klingen, manche kurz und manche lang
und nach unbestimmter Zeit verstummt das Liedlein dann.

Nur einer weiß sich nicht zu helfen, musikalisch ist er nicht,
er schreibt sein Stück in Einsamkeit, bei Regen und bei Kerzenlicht.
Das Notenblatt füllt sich nur schwerlich und im Takt des Metronoms
reiht er fein und säuberlich stets gleichen Ton an Ton.

Doch die Noten welk, verblüht, fallen alsbald von der Leiter,
Oktave um Oktave tiefer oder dissonieren weiter.
Der Dreiklang bricht in sich zusammen, reißt die Pause vom Papier,
nun geht das Stück unendlich weiter, bis es sich im Nichts verliert.

Beim Spielen hört ihm niemand zu, die Säle bleiben kalt und leer,
der Ton verklingt, der Flügel schweigt, die Stille feiert Wiederkehr.

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December 14th, 2011 · No comments


Zwiegespräche

Du.

Du bist so weit weg. Starrst Wände an, den ganzen Tag, dein Blick ist leer. Wie lange haben wir schon nicht mehr miteinander geredet, ich meine richtig. Früher konnten wir noch diskutieren, über alles Mögliche und heute, da windest du dich aus jeder Umarmung, jedem Streit wie ein glitschiger, kalter Aal. Morgens bekomme ich dich kaum aus dem Bett. Du seist so müde, sagst du, aber wovon denn? Vielleicht bist du immer zu lange auf; ich kann mich kaum noch erinnern, wann wir zuletzt zusammen schlafen gegangen sind. Ich bemerke immer erst spät nachts, dass du plötzlich mit dem Rücken zu mir da liegst und meistens atmest du ganz schwer, so als würdest du schlecht träumen. Oder es kommt vom vielen Rauchen. Essen tust du auch nicht gerade gesund, immer diese mitternächtlichen Hungerattacken. Machst du das aus Langeweile oder hast du wirklich Hunger? Kalt ist dir auch ständig, aber du bist doch nicht krank. Und mit anderen Leuten willst du auch nichts mehr zu tun haben, dabei versuch ich doch immer, dich einzubringen, dich mit Anderen bekannt zu machen. Es geht mir nicht in den Kopf, wie man es mögen kann, isoliert zu sein. Macht es dir gar keinen Spaß? Du hast letzten Abend doch ganz gut drauf gewirkt. Du solltest das endlich mal in den Griff bekommen, über deine Zukunft nachdenken. Ich hoffe es ist alles okay mit dir. Ich mache mir doch nur Sorgen.

 

Zwischen-Ich.

Der Weg des geringsten Widerstandes hat dich verkrüppelt, dir die Beine gebrochen, lässt dich nach Außen hin aber immer irgendwie gleichgültig wirken. Die ständige Reibung, an Anderen, an dir selbst, sie hat so viel von deiner ursprünglichen Fasson abgetragen, dass deine Hülle grau und löchrig geworden ist. Eigentlich hast du nie die Kontrolle verloren, hattest immer alles Nötige im Hinterkopf, aber der ist mittlerweile ein alter Leierkasten mit abgebrochener Kurbel. Du stimmst immer nur zu, lenkst ein, gehst Kompromisse kompromisslos ein, sagst Ja zu fast Allem oder schweigst um nicht Nein sagen zu müssen. Du lässt deine Seele verhungern, schiebst Dinge auf und Menschen von dir, stopfst dich aber voll mit fettigem Essen, ersäufst in Koffein und Zucker und erstickst in Nikotin. Es war einmal ein Lebensgefühl, das du gern hattest, jetzt ist es dein Leben. Deine Augen sehen nichts Schönes mehr, denn du verschließt sie vor dem was kommt und suchst fieberhaft mit ihnen nach dem was war. Der Augenblick ist des Blickes nicht wert und so stehst du stets neben dir, erwartungslos manisch schiebst du die Uhrzeiger nach vorn, bis wieder eine Stunde vergeht, ein Tag und ein Monat. Du bist so ruhelos, aber immer müde, bist ziellos eilig und steckst irgendwo fest zwischen Jetzt und Gleich, Gestern und Niemals. Die Zukunft ist ein Spiegel und du siehst durch dich hindurch.

 

Ich.

So wart ich still bis es vergeht.


December 13th, 2011 · No comments


Closer .2

I am wandering about sheer endlessly branched underground corridors with a peculiar feeling of familiarity creeping through my heart. The walls are tiled, covered in a filthy yellow and rust and it reeks of vinegar and wet steel. Something is following me as I walk around in what, despite the appearance, I know is a dorm, passing by former fellow acquaintances engaged in conversations – everything, although in an odd sense normal, conveys an atmosphere of grotesque. Evil is looming.
The corridors are thick with the presence of death but neither do I feel fright nor resignation, as if I am tensely waiting to dodge a bullet and somehow escape this labyrinth. As I turn around to see what was sneaking up behind me, I think by myself not having heard or seen a thing; but the feeling of being haunted violently breaks my wariness, crawling up my back and slowly pushing its icecold claws through my throat.
All of a sudden the walls around me crumble, dissolve and within the blink of an eye I find myself huddling in a smutty ventilation shaft holding a tiny creature in both my hands. It stares at me with the benevolent eyes of a friend. I grab it by the tail and hold it up for a few seconds, gazing at the animal with madness in mind. It lies in my open palms and its soft shape feels sorely missed to me when my twisted thoughts start centering on a despicable idea… How easy to push my thumbs through the creature’s chest. How easy to break its ribcage and force life out of its lungs.

I awake.

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November 21st, 2011 · No comments